Moderationsbox belebt neue und bestehende Gruppen

Selbsthilfegruppen gut moderieren –Informationsabend im Selbsthilfebüro Groß-Gerau am 08.10.2019

Eine Selbsthilfegruppe zu gründen ist eine Möglichkeit, Gleichbetroffene zum gemeinsamen Austausch zu finden, wenn in der eigenen Region noch keine bestehende Gruppe zum eigenen Thema angesiedelt ist. Gleichwohl schrecken viele Menschen davor zurück, weil sie unsicher sind, wie das gemeinsame Gespräch geführt werden kann. Die Erfahrung zeigt, dass es wichtig ist, eine Moderation der Gruppentreffen zu organisieren. Nicht notwendigerweise muss dies immer dieselbe Person übernehmen. Oft belebt es den Gruppenalltag, wenn die Rolle der Moderation wechselt. Aber wie funktioniert eine gute Moderation in der Selbsthilfe?

Anne Behnen, Dozentin im „In-Gang-Setzer-Projekt“ aus Nordrhein-Westfalen hat eine „Moderationsbox“ entwickelt, die Neulingen, aber auch bestehenden Gruppen Impulse für den Gruppenaustausch gibt. Im In-Gang-Setzer-Projekt begleiten Ehrenamtliche neue Selbsthilfegruppen bei ihren ersten Schritten. Auch in den Selbsthilfebüros der Paritätischen Projekte gGmbH in Hessen sind In-Gang-Setzer*innen aktiv und arbeiten mit der Moderationsbox. 

Moderationsbox belebt neue und bestehende Gruppen Die Moderationsbox – ein bedruckter Würfel aus Karton – ist außen mit Hinweisen zu den Themen „Haltung“, „Ablauf“, „Blitzlicht“ und „Regeln“ bedruckt. Darunter finden sich kurze Stichworte, die Gedankenstütze und Gesprächsanlass sein können. Obwohl die meisten Besucher*innen einer neuen Gruppe v. a. über „ihr“  inhaltliches Thema sprechen möchten, macht es Sinn, von Anfang an auch die organisatorischen Aspekte anzusprechen, die eine Selbsthilfegruppe
für ein gutes Funktionieren braucht. Bei In-Gang-Setzungen übernehmen  Ehrenamtliche diese Aufgabe.

Ist die Begleitung der neuen Gruppe abgeschlossen, bekommen die Gruppen ihre eigene Moderationsbox und können diese als Gedächtnisstütze, zur Vorbereitung von Treffen oder als Gesprächsanlass in der Gruppe weiternutzen.
Zentrale Gruppenthemen: Haltung – Ablauf – Blitzlicht – Regeln Damit sich jede einzelne Person in der Gruppe „sicher“ fühlen kann, muss Vertrauen entstehen. Gemeinsame Regeln für die Gruppe zu vereinbaren und diese schriftlich festzuhalten, schafft Verbindlichkeit und hilft dabei, dieses Vertrauen zu entwickeln. Eine wichtige Regel ist z. B. die Verschwiegenheit über die Gruppengespräche. Zu den Regeln gehört es auch, sich an die Abläufe in der Gruppe zu halten, damit die Teilnehmenden die Sicherheit erhalten, dass „ihr“ persönliches Anliegen in der Sitzung Raum finden wird. Um dafür zu sorgen, dass der gegenseitige Umgang und die Inhalte dem entsprechen, was alle in der Gruppe erwarten und brauchen, macht eine Seite der Moderationsbox darauf aufmerksam, dass es wichtig ist, mit welcher Haltung man eine Gruppe besucht. Wer sich schwer darin tut, andere in ihren Eigenheiten zu akzeptieren, könnte andere z. B. (ungewollt) verletzen und auch selbst möglicherweise nicht so angenommen werden, wie er oder sie es sich wünscht. Akzeptanz, Respekt und Wertschätzung sind daher die Schlagworte, die die Moderationsbox den Selbsthilfeaktiven für eine gute Haltung innerhalb der Gruppe mitgibt. Die vierte Seite der Moderationsbox verweist auf das in vielen Gruppen verbreitete „Blitzlicht“.

Bei diesem kurzen Austausch darf jede*r etwas Persönliches zum eigenen Befinden oder Gesprächsanliegen einbringen, ohne dass dies kommentiert oder
gar bewertet wird. Mit dem freiwilligen Beitrag im Rahmen eines Blitzlichts werden alle Teilnehmenden eingebunden. Niemand bleibt außen vor.
Infoabend zur Nutzung der Moderationsbox Seit Kurzem kann allen Selbsthilfebüros, in denen ehrenamtliche In-Gang- Setzer*innen aktiv sind, die Moderationsbox zur Weitergabe an interessierte Gruppen zur Verfügung gestellt werden. Bei einem Infoabend im Oktober im Selbsthilfebüro Groß-Gerau können Selbsthilfegruppen aus der Region mehr über die Box erfahren und eine eigene Box erhalten.

Link zum Originalartikel

 

 

zum Seitenanfang