Bundesweite Fachtagung in Essen bei der BKK

Bundesweite Fachtagung in Essen bei der BKK

Aller Anfang ist schwer. Das gilt auch für Selbsthilfegruppen. Wie kann der Weg zur Selbsthilfe im Gesundheits- und Sozialbereich erleichtert werden? Welchen Beitrag können hier „In-Gang-Setzer“ leisten? In der Selbsthilfe Aktive und professionelle Selbsthilfeunterstützer diskutierten dies bei der Tagung „In-Gang-Setzer – Selbsthilfe auf den Weg bringen“ am 4. Mai 2011 bei den Betriebskrankenkassen (BKK) in Essen

Theo Giehler, Mitglied des Vorstandes beim BKK-Landesverband NORDWEST, und Hans Georg Crone-Erdmann vom Vorstand des Paritätischen Landesverbandes Nordrhein-Westfalen begrüßten die fast 100 TeilnehmerInnen aus ganz Deutschland.   Beide hoben die gute und erfolgreiche Kooperation von BKK und Paritätischem hervor. Das Projekt In-Gang-Setzer habe die Erwartungen mehr als erfüllt und biete vielversprechende Perspektiven.

Was sich hinter dem Begriff In-Gang-Setzer verbirgt schilderte Andreas Greiwe, Projektleiter beim Paritätischen. In-Gang-Setzer umschreibt eine neue Methode der Unterstützung von Selbsthilfegruppen und ist markenrechtlich geschützt. Das bundesweite Projekt begann 2007 und wurde inzwischen aufgrund des positiven Verlaufes bis Ende 2012 verlängert. Es wird durchgeführt vom Paritätischen Wohlfahrtsverband, Landesverband NRW. Die Projektfinanzierung haben die Betriebs-Krankenkassen übernommen (der BKK-Bundesverband und die BKK NORDWEST).

„Warum braucht man eigentlich In-Gang-Setzer?“, so die Eingangsfrage von Andreas Greiwe. Bundesweit ist zwar ein wachsendes Interesse an Selbsthilfegruppen festzustellen, doch nur fünf bis sieben Prozent der von einem Problem Betroffenen engagieren sich auch in Selbsthilfegruppen. Das Potential bleibt also unausgeschöpft. Den an Selbsthilfe interessierten Personen fehlen oft die Voraussetzungen und Erfahrungen, eine neue Gruppe auf den Weg zu bringen. Der Ansatz der In-Gang-Setzung wurde speziell zur Unterstützung neuer Selbsthilfegruppen entwickelt. Es geht darum die Wege zur Selbsthilfe zu ebnen und Zugangsbarrieren abzubauen.

„Was machen die In-Gang-Setzer?“ Diese sind ehrenamtliche Mitarbeiter der Selbsthilfe-Kontaktstellen. Sie stehen zeitlich begrenzt den Gruppen zur Seite und unterstützen die Teilnehmer dabei, miteinander zu reden und sich vertraut zu machen. An der inhaltlichen Arbeit der Gruppe, das hob Andreas Greiwe deutlich hervor, beteiligen sie sich nicht. 

Den Blick auf die aktuellen Diskussionen zum Bürgerengagement richtete Dr. Christopher Kofahl vom Universitätsklinikum Hamburg. Der In-Gang-Setzer Ansatz sei auch über den Bereich der Selbsthilfe hinaus für das freiwillige soziale Engagement interessant. Besonders gespannt waren die Mitarbeiter von Selbsthilfe-Kontaktstellen, von Krankenkassen und die vielen Vertreter von Selbsthilfeorganisationen auf die Erfahrungen vor Ort. Wie funktioniert das ganz konkret bei den aktuell 22 beteiligten Selbsthilfe-Kontaktstellen aus sechs Bundesländern? Wie kann so Selbsthilfe der Weg bereitet werden ohne dabei Selbsthilfepotentiale zu verschütten? In mehreren Podiums- und Tischgesprächen gab es Gelegenheiten, sich mit aktiven In-Gang-Setzern und den am Projekt beteiligten Selbsthilfe-Kontaktstellen auszutauschen. Gerade die Erfahrungen und Eindrücke der In-Gang-Setzer beeindruckten die Gäste. Für die überregionalen Selbsthilfeorganisationen stellte sich schnell die Frage, inwieweit auch sie von dieser Methode profitieren könnten. 

Michael Bellwinkel vom Bundesverband der BKK und Heiko Ulbrich vom BKK-Landesverband NORDWEST zogen zum Ende der Tagung eine ermutigende Bilanz. Die Methode der In-Gang-Setzung ist hilfreich, sie wird von den an Selbsthilfe interessierten Menschen angenommen. Auch für bereits bestehende Gruppen, die zeitlich begrenzt eine Unterstützung wünschen, eröffnen sich neue Möglichkeiten der Aktivierung. Ob der Ansatz auch ein Weg ist, „neuen“ Zielgruppen wie Migranten oder jüngeren Menschen den Zugang zur Selbsthilfe zu erleichtern, wird eine der spannenden Fragen und Herausforderungen des weiteren Projektverlaufes sein.

Downloads

Greiwe_Vortrag_Essen_04_05.pdf

Bundesweite Fachtagung in Essen bei der BKK; Vortrag Herr Greiwe

Kofahl_Vortrag__Essen_04_05.pdf

Bundesweite Fachtagung in Essen bei der BKK; Vortrag Herr Dr. Kofahl

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